Georg Friedrich Händel SOLOMON

Oratorio in three acts

 

Live-Mitschnitt des Konzertes am 15. 3. 2009 in der Marktkirche Wiesbaden

Andreas Scholl, Altus (Solomon)
Hannah Morrison, Sopran (Solomon’s Queen; Second Harlot)
Trine Wilsberg Lund, Sopran (Queen of Sheba; First Harlot)
Andreas Karasiak, Tenor (Zadok, the High Priest; Attendant)
Gotthold Schwarz, Bass (Levite)

Barockorchester La Corona Freiburg:
Traversflöte: Takashi Ogawa, Gunhild Ott
Barockoboe: Wolfgang Dey, Aoi Ishida
Barockfagott: Eric Bernd Artelt, Angela Bergmann
Naturhorn: Ulrich Hübner, Helen McDougall
Naturtrompete: Jürgen Ellensohn, Heiko Herrmann
Pauken: Bert Anhalt
Cembalo: Andreas Küppers
Orgel: Christian Pfeifer
Theorbe: Hubert Hoffmann
Barockvioline: Margaret MacDuffie, Wolfgang Wahl, Berthilde Galosi, Hwa Won Pyun,Holger Schröter-Seebeck, Gundula Jaene, Miriam Rudolph, Nobuko Yamaguchi
Barockviola: Matthias Fischer, Ursula Plagge-Zimmermann, Heiner Wezel, Zeynep Tarnay
Barockcello: Dmitry Dichtiar, Gabriela Bradley, Paula Valpola
Violone: France Beaudry-Wichmann, Johannes Dölger

Schiersteiner Kantorei

Leitung: Martin Lutz

Now a diff'rent measure try

 

Königliche Freuden

17.03.2009 - WIESBADEN Von Volker Milch

Händels Oratorium "Solomon" mit Andreas Scholl in der Marktkirche

Der König ist ein Genießer. Das sieht man, wenn er wissend lächelt, während seine Königin von ehelichen Freuden singt. Das hört man aber auch später im außerehelichen Duett des Königs mit der Königin von Saba. Die Terzen klingen nach süßen Geheimnissen. Ja ja, der König ist ein Genießer! In Georg Friedrich Händels Oratorium "Solomon" steckt, typisch für die Barockzeit, nicht nur im musikalischen Detail allerlei Bedeutung hinter der Bedeutung: Das ganze Oratorium, in dessen Zentrum der weise urteilende Salomo steht, lässt sich als Loblied auf Georg II., den englischen König aus dem Hause Hannover, lesen bzw. hören. Und beim musikalischen Gipfeltreffen zwischen der arabischen Prinzessin und dem jüdischen König muss man irgendwie auch an aktuelle Utopien aus dem völkerverbindenden Geist von Daniel Barenboims west-östlichem Orchesterprojekt denken.

Loblied auf den Regenten

In Wiesbadens Marktkirche, wo Martin Lutz mit der Schiersteiner Kantorei und dem Barockorchester La Corona aus Freiburg "Solomon" zu einem Triumph führt, ist Andreas Scholl der weise König. Eine Ideal-Besetzung in mehrfacher Hinsicht. Einmal auf der musikalisch-praktischen Ebene eines souveränen, international gefeierten Interpreten, der die Partie schon vor zehn Jahren in der ersten Gesamteinspielung des selten aufgeführten Oratoriums (unter der Leitung von Paul McCreesh) verkörpert hat. Dann aber auch durch die trefflich zur Idealisierung passenden Ent-Rückung des biblischen Souveräns im Stimmfach des Countertenors. Ein berückender, körperloser Klang, der nicht von dieser Welt zu kommen scheint und dennoch höchst sinnlich wirkt. Andreas Scholl, der singende Hahn im Korb, genießt die Partie und (be)lebt sie auch, seinen beiden schönen Königinnen sichtlich zugetan, in Ansätzen einer szenischen Interpretation auf dem Podium. Die Damen geben sich in der konzertanten Kirchen-Situation etwas spröder. Aber nur szenisch. Musikalisch ist die Besetzung mit den Sopranistinnen Hannah Morrison (Queen) und Trine Wilsberg Lund (Königin von Saba) nicht minder überzeugend. Vorzüglich auch der angenehm timbrierte, in den Koloraturen virtuos geführte Tenor Andreas Karasiaks als Zadok, während Gotthold Schwarz dem Leviten Bass-Würde verleiht.

Das starke Fundament von Händels musikalischem Prachtbau ist am Sonntag die Schiersteiner Kantorei, die in dem vor genau 260 Jahren in London uraufgeführten Oratorium vielfach gefordert ist und in fast drei Stunden Aufführungsdauer kaum Ermüdungserscheinungen zeigt. Scharf konturiert sind unter der konzentrierten, energischen Leitung von Martin Lutz die polyphonen Passagen, in prächtiger, staatstragender Fülle klingt der Chor der Israeliten.

Prächtige Klangfülle

Einer der Höhepunkte des Werks ist der "Nachtigallenchor", in dem der Friede der königlichen Liebesnacht besungen wird, duftig eingeleitet von den Originalinstrumenten. Da darf der König wieder genießen: Andreas Scholl wendet sich lächelnd dem Klangkörper zu, und allein aus der Macht der Musik baut sich in der Marktkirche eine Szene auf, in der sich Bühnenbilder und Kostüme erübrigen. Ähnlich suggestive Qualitäten entfaltet Händel auch in der Präsentation kontrastierender Gefühle im dritten Akt. Das Publikum genießt königlich und ist nach drei Stunden noch stark genug, um stehend zu applaudieren und diesen eindrucksvollen Beitrag zum Händel-Jahr anhaltend zu würdigen.  

 

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