Antonio Vivaldi: Il prete rosso
|
Mitschnitt des Konzertes in der Basilika Kloster Eberbach am 8. Juni 2008 Il prete rosso Ein Konzert im Ospedale della Pietá zu Venedig unter dem Kapellmeister Antonio Vivaldi Laetatus sum Hannah Morisson, Sopran Schiersteiner Kantorei Leitung: Martin Lutz Aufnahme: HCA Händel Classical Audio |
|
Vivaldi ganz neu hören – Chorwerke erstmals in der originalen Besetzung!
Die Regeln waren eindeutig: bei Vivaldi am Ospedale della Pietá in Venedig durften nur Frauen singen, und für diese Besetzung schrieb er seine großen Chorwerke. Doch heute werden sie immer von gemischten Chören (also unter Beteiligung von Männern) aufgeführt. Erstmals wurde bei diesem Konzert das Experiment unternommen, das ursprüngliche Klangbild wieder herzustellen – und es klingt berauschend schön!
Das Rätsel der Aufführungspraxis
Die erhaltenen Partituren der geistlichen Musik Vivaldis stellen uns vor ein bislang ungelöstes Rätsel: Niemand weiß, wie die Werke wirklich gesungen wurden. Der vierstimmige Chorsatz ist nämlich (wie allgemein üblich) für Sopran, Alt, Tenor und Bass notiert.
Nun wissen wir aber, dass (während im Rest Europas alle Stimmen von Männern und Knaben gesungen wurden) in den venezianischen Ospidali ebenso wie das Orchester auch der Chor ausschließlich mit Mädchen und Frauen besetzt war. Wie wurden da aber die Tenor- und Bass-Stimmern ausgeführt? Bis heute hat die Musikwissenschaft keine schlüssige Antwort gefunden.
Vivaldis Klangbild wiederentdeckt
Im Vorfeld dieses Konzerts haben wir tüchtig experimentiert und sind schließlich zu jener Lösung gekommen, die Sie auf diesem Konzertmitschnitt hören können: Tenor und Bass werden nicht in der Orginallage ausgeführt (sehr tiefe Frauenstimmen klingen mulmig, leise, uncharmant - kurz: völlig unbefriedigend), sondern eine Oktave höher gesungen. Aus dem Tenor wird nun ein weiterer Sopran (der sehr oft höher als der eigentliche Sopran geführt ist), aus dem Bass ein weiterer Alt. Letzeres ist völlig unproblematisch, da ja der instrumentale Basso continuo weitgehend identisch läuft und die gesungene Stimme so ähnlich wie ein 4-Fuß-Register einer Orgel wirkt.
Eines jedenfalls stellt sich plötzlich ein: jener irisierende, ganz besondere Klang, den viele Besucher damals beschrieben haben. Und der sich bei "normaler" Aufführung mit gemischtem Chor einfach nicht recht einstellen will.
