
Rückblick auf den IX. Musikherbst Wiesbaden 2008
zum X. Musikherbst Wiesbaden 2010
Willkommen und Abschied
Lied, Kammermusik, Sinfonie, Oratorium
Samstag,
19.30 Uhr |
Luigi Cherubini
Wolfgang Amadé Mozart
Franz Schubert
Scot Weir, Tenor Luigi Cherubinis Requiem galt einst als die
bedeutendste Totenmesse überhaupt. Lange Zeit zog man sie selbst der von
Mozart vor und Beethoven schloss sie so ins Herz, daß man sie ihm zu seinem
eigenen Begräbnis spielte. |
Donnerstag,
19.30 Uhr |
Ankunft und Abschied
Joseph Haydn (1732-1809)
Joseph Matthias Sperger (1750-1812)
Bettina Ranch, Mezzosopran Im Sommer 1772 macht Haydn macht durch die berühmte
„Abschiedssinfonie“ Fürst Esterhazy nachdrücklich, aber charmant darauf
aufmerksam, daß seine Orchestermusiker endlich ihren Urlaub antreten wollen.
Etwas Unerhörtes geschieht: ein Musiker nach dem anderen verlässt das Podium.
Haydn dirigiert weiter, als bemerke er nichts. Als letzter übriggeblieben, will
auch er abgehen. Da tritt der Fürst heran, legt ihm die Hand auf die Schulter:
„Mein lieber Haydn! Ich habe verstanden. Die Musiker sehnen sich nach Hause… Gut
denn! Morgen packen wir ein...“ |
Sonntag,
19.30 Uhr |
Willkommen und Abschied
Goethe-Lieder von Franz
Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy, Hugo Wolf, Feruccio Busoni u.a.
Heidrun Kordes, Sopran Goethes berühmtes Gedicht „Willkommen und Abschied“ hat dem diesjährigen Musikherbst sein Thema gegeben – hier nun ein ganzer Abend im reizvollen Wechsel von Wort und Musik. Da berichtet der junge Goethe von der Begegnung mit seiner Sesenheimer Liebe Friederike Brion, dort trifft der alte Goethe den jungen Mendelssohn. Erhellende Texte und großartige Goethe-Vertonungen versprechen einen spannenden Musikabend! Bernhard Berchtold
ist Mitglied des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, wo er vor allem in den
großen Mozart-Partien seines Fachs zu hören ist. International viel beachtete
CD-Einspielungen von Schubert-Liedern brachten ihm den Ruf als bedeutenden
Schubertinterpreten ein. Unter N. Harnoncourt sang er in Bizets Carmen sowie in
Haydns Orlando palandino. Er sang am der Scala Mailand und bei den Salzburger
Festspielen. |
Dienstag,
19.30 Uhr |
Gustav Leonhardt, Cembalo spielt Werke von William Byrd (Lord Willoughby’s Welcome), Johann Sebastian Bach (Capriccio auf den Abschied des geliebten Bruders) und anderen Meistern des Barock Gustav Leonhardt, weltweit verehrter Doyen der Cembalisten, ist eine
lebende Legende. Am 30. Mai 2008 feierte er seinen 80. Geburtstag. Sein
Konzert im Rahmen des Musikherbst Wiesbaden gehört sicher zu den ganz großen
Kostbarkeiten des Musikjahres 2008. Erste Solo-Aufnahmen als Cembalist und
Organist veröffentlichte er schon in den frühen 50er-Jahren. Und noch heute
nimmt der Niederländer CDs auf. Sie zeigen die ungebrochene Virtuosität und
Musikalität des 80-Jährigen. Und sie zeigen die Kontinuität seiner
Musikauffassung. Leonhardt strahlt gleichermaßen die Aura des Ästheten und
des Aristokraten aus. Der Vorwurf, die historische Aufführungspraxis bringe
eine blutleere, klangarme Musik hervor, konnte Leonhardt nie treffen. Sein
Cembalo-Spiel kennt zwar noble Askese, doch sprühen die schnellen Sätze
unter Leonhardts Händen geradezu Funken. |
Dienstag,
19.30 Uhr |
Il pianto delle donne Georg Friedrich Händel Michel Pignolet de Montéclair Giuseppe Tartini Siri
Karoline Thornhill, Sopran Die unbeherrschbare Macht menschlicher Gefühle ist das große Thema des Barock, und Frauen sind die Heldinnen vieler Kantaten und sogar nicht weniger Sonaten. Große Komponisten haben ihnen Denkmäler gesetzt – etwa der verzweifelt liebenden Königin Dido, der von Rinaldo verlassenen Armida oder der stolzen Römerin Lucrezia. Siri Thornhill stammt aus Norwegen. Sie
arbeitete u.a. mit Ph. Herreweghe, Th. Hengelbrock und S. Kuijken zusammen
und trat bei Festivals wie den Händelfestspielen Göttingen, Karlsruhe und
Halle, Rheingau Musik Festival, Osterfestspiele Luzern, Feldkirch Festival,
Festival de l’Opera Beaune und Festival Brügge auf. Sie sang in Opernproduktionen u.a. an der Komischen Oper Berlin, Theater Freiburg, Oper
Halle, in Venedig und Florenz. 2006 debütierte sie als Donna Anna in Mozarts
Don Giovanni unter Sigiswald Kuijken in Beaune und Brügge. Viele Rundfunk-,
CD- und Fernsehaufnahmen. |
Willkommen und Abschied
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht...
„Willkommen und Abschied“ ist dieses Gedicht überschrieben, in welchem der junge Goethe die Sehnsucht nach seiner Geliebten Friederike Brion beschreibt, um so zu schließen:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!
Es beschreibt in seiner stürmerisch-drängerischen Sprache auf neuartige Weise das Spannungsfeld des Erlebens von Natur und Liebe. In jedem Anfang ist auch schon das Ende inbegriffen – Sinnbild für das menschliche Sein ganz allgemein.
Kein Wunder, daß Komponisten von der Spannung zwischen den beiden Polen Freude und Leid seit jeher besonders angezogen wurden.
In vielfältiger Weise möchten wir dies Motto umsetzen:
- ganz wörtlich in den Sinfonien zu Ankunft und Abschied;
- aber auch beispielhaft in den ausdrucksvollen Klagen verlassener Frauen – wie spannend haben Komponisten wie Händel, Haydn und viele andere Entstehen und Zerbrechen einer großen Liebe in Musik am Beispiel der klassischen Paare Armida und Rinaldo, Dido und Aeneas, Ariadne und Theseus gefaßt;
- und schließlich Musik des letzten Abschiedes: das Requiem. Wir stellen Ihnen eine der bedeutendsten (aber doch seltsamerweise ein wenig in Vergessenheit geratenen) Vertonungen vor, nämlich die des von Beethoven so hochgeschätzten Luigi Cherubini.
Erleben Sie mit uns anregende und spannende Konzerte im IX. Musikherbst
Wiesbaden!
Ihre Martin Lutz und Scot Weir
Der Musikherbst Wiesbaden ist eine Veranstaltung der Musikfreunde Wiesbaden e.V.

Herzog-Friedrich-August-Saal, Friedrichstr. 22
Museum Wiesbaden, Vortragssaal
