Musikherbst Wiesbaden

Rückblick auf den IX. Musikherbst Wiesbaden 2008

zum X. Musikherbst Wiesbaden 2010

 

Willkommen und Abschied
Lied, Kammermusik, Sinfonie, Oratorium

 

Samstag,
25. Oktober
2008

 

19.30 Uhr

Musikherbst Wiesbaden 2008: Cherubini Requiem c-MollMarktkirche Wiesbaden

Luigi Cherubini
Requiem c-Moll für Chor und Orchester (1816)

Wolfgang Amadé Mozart
Meistermusik KV 477 für Chor und Orchester (1785)

Franz Schubert
„Intende voci“ für Tenor, Chor und Orchester (1828)

 

Scot Weir, Tenor
Schiersteiner Kantorei
Bach-Ensemble Wiesbaden
Martin Lutz
, Leitung

Luigi Cherubinis Requiem galt einst als die bedeutendste Totenmesse überhaupt. Lange Zeit zog man sie selbst der von Mozart vor und Beethoven schloss sie so ins Herz, daß man sie ihm zu seinem eigenen Begräbnis spielte.
Es ist ein Werk von großer Ausdruckskraft, zukunftsweisendem harmonischem Reichtum und höchst aufwühlender Dramatik.
Doch warum nur fegte die Nachwelt über das Stück hinweg? Vielleicht sind manche Abschnitte einfach zu schön! Und Schönheit, die in sich ruht, braucht Ohren, die sie bemerken. Vielleicht ist es auch sein ungewöhnlicher Aufbau? Denn das Requiem hat nur einen einzigen Gesangsstar: den Chor. Und der erhält vielfältigste, höchst dankbare Aufgaben.
Cherubinis Requiem ist ein Klassiker. Es braucht den Vergleich mit Meisterwerken von Schubert und Mozart nicht zu scheuen. Es gibt nur wenige Werke, die eine Neubewertung so verdienen.
 

Donnerstag,
30. Oktober
2008

 

19.30 Uhr

Musikherbst Wiesbaden 2008: Haydn „Abschieds-Sinfonie“Herzog-Friedrich-August-Saal, Friedrichstr. 22

Ankunft und Abschied

Joseph Haydn (1732-1809)
Sinfonie fis-Moll „Abschieds-Sinfonie“
Kantate „Ariadne auf Naxos“

Joseph Matthias Sperger (1750-1812)
Ankunfts-Sinfonie (1796)

 

Bettina Ranch, Mezzosopran
Bach-Ensemble Wiesbaden
Martin Lutz
, Leitung

Im Sommer 1772 macht Haydn macht durch die berühmte „Abschiedssinfonie“ Fürst Esterhazy nachdrücklich, aber charmant darauf aufmerksam, daß seine Orchestermusiker endlich ihren Urlaub antreten wollen. Etwas Unerhörtes geschieht: ein Musiker nach dem anderen verlässt das Podium. Haydn dirigiert weiter, als bemerke er nichts. Als letzter übriggeblieben, will auch er abgehen. Da tritt der Fürst heran, legt ihm die Hand auf die Schulter: „Mein lieber Haydn! Ich habe verstanden. Die Musiker sehnen sich nach Hause… Gut denn! Morgen packen wir ein...
Der Schweriner Hofkapellmeister Sperger schrieb ein reizvolles, höchst selten gespieltes Gegenstück zu dieser Sinfonie: zwei Geigen beginnen, nach und nach tritt das ganze Orchester hinzu.
Ein anregender und vergnüglicher Konzertabend in einem der prächtigsten Konzertsäle Wiesbadens!
 

Sonntag,
2. November
2008

 

19.30 Uhr

Musikherbst Wiesbaden 2008: Goethe-LiederMuseum Wiesbaden, Vortragssaal

Willkommen und Abschied

Goethe-Lieder von Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy, Hugo Wolf, Feruccio Busoni u.a.
Gedichte und Texte von Johann Wolfgang von Goethe

 

Heidrun Kordes, Sopran
Bernhard Berchtold, Tenor
Torsten Larbig, Klavier
Hubertus Petroll, Rezitation

Goethes berühmtes Gedicht „Willkommen und Abschied“ hat dem diesjährigen Musikherbst sein Thema gegeben – hier nun ein ganzer Abend im reizvollen Wechsel von Wort und Musik. Da berichtet der junge Goethe von der Begegnung mit seiner Sesenheimer Liebe Friederike Brion, dort trifft der alte Goethe den jungen Mendelssohn. Erhellende Texte und großartige Goethe-Vertonungen versprechen einen spannenden Musikabend!

Bernhard Berchtold ist Mitglied des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, wo er vor allem in den großen Mozart-Partien seines Fachs zu hören ist. International viel beachtete CD-Einspielungen von Schubert-Liedern brachten ihm den Ruf als bedeutenden Schubertinterpreten ein. Unter N. Harnoncourt sang er in Bizets Carmen sowie in Haydns Orlando palandino. Er sang am der Scala Mailand und bei den Salzburger Festspielen.
Heidrun Kordes gewann mit 16 Jahren den ersten Preis im Bundeswettbewerb Gesang. Nach dem Studium gehörte sie bis 2000 zum Ensemble des Hess. Staatstheaters Wiesbaden. Seitdem wirkt sie als freie Künstlerin. Als Konzertsängerin ist Heidrun Kordes international tätig. Neben Rundfunk- und Fernsehaufnahmen hat die Künstlerin zahlreiche CD's eingespielt. Sie hat eine Professur an der Musikhochschule Frankfurt inne.
Hubertus Petroll arbeitete nach Engagements an mehreren Theatern (u.a. Staatstheater Darmstadt und Wiesbaden) als Sprecher bei fast allen deutsch sprachigen Sendern und dem ZDF. Seit 1996 ist er Professor für Sprachgestaltung am Max Reinhardt Seminar Wien; seit 2002 dessen Leiter.
 

Dienstag,
4. November
2008

 

19.30 Uhr

Musikherbst Wiesbaden 2008: Gustav LeonhardtChristophoruskirche Wiesbaden-Schierstein

Gustav Leonhardt, Cembalo

spielt Werke von William Byrd (Lord Willoughby’s Welcome), Johann Sebastian Bach (Capriccio auf den Abschied des geliebten Bruders) und anderen Meistern des Barock

Gustav Leonhardt, weltweit verehrter Doyen der Cembalisten, ist eine lebende Legende. Am 30. Mai 2008 feierte er seinen 80. Geburtstag. Sein Konzert im Rahmen des Musikherbst Wiesbaden gehört sicher zu den ganz großen Kostbarkeiten des Musikjahres 2008. Erste Solo-Aufnahmen als Cembalist und Organist veröffentlichte er schon in den frühen 50er-Jahren. Und noch heute nimmt der Niederländer CDs auf. Sie zeigen die ungebrochene Virtuosität und Musikalität des 80-Jährigen. Und sie zeigen die Kontinuität seiner Musikauffassung. Leonhardt strahlt gleichermaßen die Aura des Ästheten und des Aristokraten aus. Der Vorwurf, die historische Aufführungspraxis bringe eine blutleere, klangarme Musik hervor, konnte Leonhardt nie treffen. Sein Cembalo-Spiel kennt zwar noble Askese, doch sprühen die schnellen Sätze unter Leonhardts Händen geradezu Funken.
 

Dienstag,
11. November
2008

 

19.30 Uhr

Musikherbst Wiesbaden 2008: Il pianto delle donneChristophoruskirche Wiesbaden-Schierstein

Il pianto delle donne
Klagen verlassener Frauen

Georg Friedrich Händel
Kantate „Armida abbandonata“

Michel Pignolet de Montéclair
Kantate „La Morte di Lucrezia“

Giuseppe Tartini
Violinsonate „Didone abbandonata“

Siri Karoline Thornhill, Sopran
Ensemble „Parnassi musici“ auf Originalinstrumenten:
  Margaret MacDuffie
, Barockvioline
  Matthias Fischer, Barockvioline
  Sergio Azzolini, Barockfagott
  Martin Lutz
, Cembalo

Die unbeherrschbare Macht menschlicher Gefühle ist das große Thema des Barock, und Frauen sind die Heldinnen vieler Kantaten und sogar nicht weniger Sonaten. Große Komponisten haben ihnen Denkmäler gesetzt – etwa der verzweifelt liebenden Königin Dido, der von Rinaldo verlassenen Armida oder der stolzen Römerin Lucrezia.

Siri Thornhill stammt aus Norwegen. Sie arbeitete u.a. mit Ph. Herreweghe, Th. Hengelbrock und S. Kuijken zusammen und trat bei Festivals wie den Händelfestspielen Göttingen, Karlsruhe und Halle, Rheingau Musik Festival, Osterfestspiele Luzern, Feldkirch Festival, Festival de l’Opera Beaune und Festival Brügge auf. Sie sang in Opernproduktionen u.a. an der Komischen Oper Berlin, Theater Freiburg, Oper Halle, in Venedig und Florenz. 2006 debütierte sie als Donna Anna in Mozarts Don Giovanni unter Sigiswald Kuijken in Beaune und Brügge. Viele Rundfunk-, CD- und Fernsehaufnahmen.
 

 

 

Willkommen und Abschied

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht...

„Willkommen und Abschied“ ist dieses Gedicht überschrieben, in welchem der junge Goethe die Sehnsucht nach seiner Geliebten Friederike Brion beschreibt, um so zu schließen:

Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Es beschreibt in seiner stürmerisch-drängerischen Sprache auf neuartige Weise das Spannungsfeld des Erlebens von Natur und Liebe. In jedem Anfang ist auch schon das Ende inbegriffen – Sinnbild für das menschliche Sein ganz allgemein.

Kein Wunder, daß Komponisten von der Spannung zwischen den beiden Polen Freude und Leid seit jeher besonders angezogen wurden.

In vielfältiger Weise möchten wir dies Motto umsetzen:

  • ganz wörtlich in den Sinfonien zu Ankunft und Abschied;
  • aber auch beispielhaft in den ausdrucksvollen Klagen verlassener Frauen – wie spannend haben Komponisten wie Händel, Haydn und viele andere Entstehen und Zerbrechen einer großen Liebe in Musik am Beispiel der klassischen Paare Armida und Rinaldo, Dido und Aeneas, Ariadne und Theseus gefaßt;
  • und schließlich Musik des letzten Abschiedes: das Requiem. Wir stellen Ihnen eine der bedeutendsten (aber doch seltsamerweise ein wenig in Vergessenheit geratenen) Vertonungen vor, nämlich die des von Beethoven so hochgeschätzten Luigi Cherubini.

Erleben Sie mit uns anregende und spannende Konzerte im IX. Musikherbst Wiesbaden!
Ihre Martin Lutz und Scot Weir

 

Der Musikherbst Wiesbaden ist eine Veranstaltung der Musikfreunde Wiesbaden e.V.