Neues von der Schiersteiner Kantorei
Förderverein gegründet
Zur Förderung der Arbeit der Schiersteiner Kantorei wurde der Verein "Freunde der Schiersteiner Kantorei" gegründet.
Sonderseite des Wiesbadener
Kuriers zum 50ten Jubiläum der Schiersteiner Kantorei.
Plötzlich wirken expressive Wunder
Matthäuspassion
02.04.2012 – WIESBADENER TAGBLATT Von Axel Zibulski
Im Jubiläumsjahr, fast selbstverständlich, die Matthäuspassion. Zwölf Mal bereits hat die Schiersteiner Kantorei sie einstudiert, nun, im 50. Jahr nach Gründung des Chores, leitete Martin Lutz einmal mehr die Aufführung von Johann Sebastian Bachs Großwerk. Mit der Schiersteiner Kantorei musizierte in der Wiesbadener Marktkirche das Barockorchester La Corona aus Freiburg, und zwar in historischer Instrumentalpraxis, wie es längst üblich ist in den Konzerten von Martin Lutz und seiner Schiersteiner Kantorei.
Drei Stunden musikalische Geschlossenheit
Selbstverständlich auch: die Kraft, die Ausstrahlung, die musikalische Geschlossenheit, die in drei pausenlosen Stunden die Aufführung der Matthäuspassion BWV 244 für Soli, zwei Chöre und zwei Orchester prägte. Bereits im Eröffnungschor „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“ verband sich der sogar sichtbar wogende Gestus der Schiersteiner Kantorei mit zwingender musikalischer Stringenz; ergänzt wurden die Rahmenchöre des ersten Passionsteils an der Podiumsseite von Mitgliedern des Wiesbadener Knabenchors, die Lutz mit der ihm eigenen Mischung aus Konzentration, Souveränität und Gelassenheit einband.
In den vielen Jahren der Zusammenarbeit von Martin Lutz und der Schiersteiner Kantorei scheint eine enge Vertrautheit gewachsen zu sein, die in der Matthäuspassion ein zur Natürlichkeit gelöstes und dennoch zugleich präzises Singen erlaubt. Da kann in den Chorälen sogar eine feine Verschiebung der Stimmengewichtung plötzliche expressive Wunder wirken, da artikuliert man die Turba-Chöre plastisch, anschaulich und deutlich, ohne dabei je zu forcieren. Denn das lässt immer noch Raum für dramatische Verdichtung.
Im „Barrabam!“-Ruf beispielsweise, einschneidend und jäh formuliert, nutzt ihn Lutz, der sich mit seinem Chor die Energie und den Weitblick auf das Werk teilt. Mögen andere wie unlängst der Dirigent Marc Minkowski in der Alten Oper Frankfurt, der zweifelhaft legitimierten Mode folgen, Bachs Doppelchor durch zwei Solistenquartette zu ersetzen: Erst mit einem so vorzüglichen Ensemble wie der intensiv mit der Matthäuspassion vertrauten Schiersteiner Kantorei wird man der Intensität, der Fülle und natürlich auch dem dramatischen Gehalt des Werks gerecht. Das Barockorchester La Corona stützte die Aufführung genau, flüssig, unaufdringlich, den Vorrang des Wortes nie in Frage stellend.
In früheren Aufführungen der Matthäuspassion durch die Schiersteiner Kantorei mag mancher solistische Tenor die Evangelisten-Worte plastischer, zwingender formuliert haben als nun Donát Havár, der sich bei seiner eng klingenden und im Timbre wenig flexiblen Ausgestaltung immerhin um Textdeutlichkeit bemühte.
Aufführung wurde vom Publikum intensiv gewürdigt
Ein großer Gewinn für die Aufführung war der junge, so gelöst wie bildhaft anschaulich gestaltende Altus von Valer Barna-Sabadus. Der helle, leichte und dennoch konturen-starke Sopran von Trine Wilsberg Lund, auch Tyler Duncans satter und etwas herber Bass, erst recht Hans-Christoph Begemanns klug ausgelegte Christusworte trugen die vokale Eindringlichkeit dieser vom Publikum lang und intensiv gewürdigten Aufführung der Matthäuspassion im Jubiläumsjahr der Schiersteiner Kantorei.
„Solomon“ ist erschienen
Der Mitschnitt unserer Aufführung von Händels großem Oratorium SOLOMON liegt mittlerweile als CD-Album mit zwei CDs vor. Nicht zuletzt Andreas Scholl in der Titelpartie riss die Zuhörer in der wirklich bis auf den letzten Platz besetzten Marktkirche zu Jubelstürmen hin.
"Das Publikum genießt königlich und ist nach drei Stunden noch stark genug, um stehend zu applaudieren und diesen eindrucksvollen Beitrag zum Händel-Jahr anhaltend zu würdigen." schließt der WIESBADENER KURIER seine Rezension.
Nun können auch Sie die herrliche Musik noch einmal genießen – für 21,50 (incl. Porto) erhalten Sie die fast drei Stunden Musik „frei Haus“.
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