Pressestimmen 2017

Antonín Dvořák: Stabat mater

Vom Chor, der ja an sich schon groß ist, wird äußerste Kraft und extreme Spannweite verlangt. Und ein Dirigent ist sehr viel mehr gefordert, die Extreme von mächtigem Klang und subtilsten Übergängen, von schwebendem, freiem Tempo und energischem, straffem Eingriff miteinander zu vereinbaren. Insofern darf man Dvoráks „Stabat Mater“ für Lutz und die Schiersteiner Kantorei auch als sehr mutiges Unterfangen bezeichnen.

Es war ein großer Erfolg, der vom Publikum in der voll besetzten Marktkirche mit langem Beifall und Bravorufen dankbar gewürdigt wurde. Die Chöre sind von starker Eindringlichkeit. Der intensive Kontakt zwischen Dirigent und Sängern lässt sie beredt sprechen. ...

Im Gesamteindruck gelingt der Schiersteiner Kantorei eine bewegende Aussage zur Passionszeit ebenso wie ein Höhepunkt im Wiesbadener Konzertleben.

Dietrich Stern, WIESBADENER KURIER, 27.3.2017

 

Georg Friedrich Händel: Joshua

Das üppig besetzte Bach-Ensemble überzeugt mit Präsenz – nicht nur, wenn die Bläser die Mauern von Jericho zum Einsturz bringen oder der Held nach der Schlacht gefeiert wird. Lutz setzt auf heroischen Gestus, seine Musiker geben die jubelnde Masse, der es dennoch nicht an Transparenz und Homogenität gebricht. Und man trifft alte Bekannte: Händels Chorsatz „See the conqu’ring hero comes“ aus dem Jahr 1747 wurde 73 Jahre später zum Weihnachtslied „Tochter Zion“. Der Original-Cantus mag als Referenz für die chorische Gesamtleistung dienen: genau, satt, effektvoll und (nicht selbst verständlich!) mit elegantem Kunst englisch – also durchaus ein schönes, vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.

Jan-Geert Wolff, WIESBADENER KURIER, 6.6.2017

 

Felix Mendelssohn Bartholdy: Psalmvertonungen und Reformations-Sinfonie

Gottes Lob im großen Ton: Felix Mendelssohn Bartholdys geistliche Musik stand im Mittelpunkt eines Konzerts der Schiersteiner Kantorei in der gut besuchten Basilika des Kloster Eberbach. ...

Dynamisch zielstrebig entwickelt von einer Kantorei, deren auch zahlenmäßige Stärke für einen fülligen Flächenklang sorgt, stimmlich elastisch allerdings in den fugierten Passagen.

Auf Mendelssohn, den Wiederentdecker J. S. Bachs, ist auch das Bach-Ensemble geeicht, dereinst als hessischer Vorposten der historischen Aufführungspraxis gelobt. Der „Reformationssinfonie“ verleiht das von Bläsern verstärkte Kammerorchester ungemeine Strahlkraft. ...

Das Erhabene dieser Klangsprache macht selbst notorische Sünderlein betroffen.

Klaus Ackermann, WIESBADENER KURIER, 19.9.2017

 

 

Pressestimmen 2016

Claudio Monteverdi: Marienvesper

Der große Eindruck, den die Marien-Vesper von Claudio Monteverdi macht, rührt daher, dass sie bis heute deutlich spürbar einen gewaltigen musikalischen Umbruch repräsentiert. Ihrem Schöpfer Monteverdi war das 1610 bewusst. Über eineinhalb Stunden überschüttet er den Hörer mit einer Fülle von Ideen und atemberaubender Kunstfertigkeit, mit einem bis dahin ungeahnten musikalischen Reichtum, der ihn gleichberechtigt neben die bedeutendsten Komponisten aller Zeiten stellt.

Martin Lutz ist als langjähriger Leiter der Schiersteiner Kantorei ein ausgewiesener Kenner „AlterMusik“, die als Durchbruch in eine neue Zeit erscheint. Gut vorbereitet,mit ausgezeichneter Reinheit imKlang füllt die Schiersteiner Kantorei Wiesbadens „Dom“, die Marktkirche. …Nach einem feierlichen Schweigen dankt das Publikum in der voll besetzten Marktkirche mit lang anhaltendem Beifall.

Dietrich Stern,WIESBADENER KURIER, 14.3.2016

 

Händel: Solomon

„O himmlisch ist dein Chor, fürwahr!“ attestiert die Königin von Saba im dritten Teil von Händels Oratorium „Solomon" eben diesem. Ein himmlischer Chor - das trifft auch auf die Schiersteiner Kantorei zu, die das 1749 in London uraufgeführte Werk am Sonntagabend zusammen mit dem ebenfalls auf austarierte, dynamische Schattierungen setzenden Barockorchester La Corona unter der Leitung von Martin Lutz in Kloster Eberbach zu Gehör brachte. Der Besuch der Herrscherin inspirierte zur theatralen Inszenierung emotionaler Extremlagen - eben zum vom Gast so hoch gelobten Stück im Stück. Tatsächlich sind die betreffenden Chorpartien eine Glanzpassage dieses an anspruchsvollen Chören so reichen Werks.

Ulrike Brandenburg,WIESBADENER KURIER, 6.7.2016

 

 

Pressestimmen 2015

Johann Sebastian Bach: Johannespassion

Von daher erhält dieses Glaubensbekenntnis durch das anfeuernde und ungemein sensibel ausgeformte Dirigat von Martin Lutz eine bewegend gefühlige und spannungsreiche Intensität, die die Schiersteiner Kantorei wieder in gewohnter starker Ausdruckskraft, in den polyphonen Passagen stilsicher und transparent demonstrierte. Zu den bestens disponierten Choristen trat als ebenbürtiger Partner das auf Originalinstrumenten spielende Barockorchester La Corona mit schönen Instrumentalsoli und einem exzellenten Basso continuo.

Überaus herzlicher, nicht enden wollender Beifall für alle Mitwirkenden in der sehr gut besuchten Marktkirche für eine exemplarische Interpretation.

WIESBADENER KURIER, 16.3.2015

 

Georg Friedrich Händel: Messiah

Wenn die Schiersteiner Kantorei unter der Leitung von Martin Lutz zum Konzert einlädt, dann bleibt kaum ein Platz und kein Parkplatz mehr frei – so geschehen jetzt im Kloster Eberbach. Es lockten ein ausgezeichneter Chor, hervorragende Solisten und ein Werk, dessen „Halleluja“ am Ende des zweiten Teils von enormer Popularität ist: Georg Friedrich Händels Oratorium „Messiah“.

… unterstützte das Barockorchester La Corona eindrucksvoll die unter der Leitung von Martin Lutz wieder hochprofessionell agierende Schiersteiner Kantorei. Diese begeisterte nicht zuletzt im berühmten „Halleluja“ das Publikum mit transparentem Klangbild und schwingendem Rhythmus. Jubel und „Standing ovations“ im Kloster Eberbach.

WIESBADENER KURIER, 26.6.2015

 

Antonín Dvořák: Requiem

Bestimmt konnte und wollte sich niemand in der Wiesbadener Marktkirche der dunklen Intensität entziehen, die Dvorák in seinem 1890 komponierten „Requiem“ formulierte. Ohne dabei, was an diesem Abend so wichtig war, das Plakative, Theatralische des Jüngsten Gerichts vordergründig zu inszenieren … lässt Dvorák bis ins „Dies irae“ hinein das Melodische zwar dunkel, aber einfühlend sprechen: Die Schiersteiner Kantorei, der Martin Lutz in diesem außergewöhnlichen Konzert die richtigen, nämlich besonders langsamen, manchmal fast stockenden Tempi vorgab, setzte das zwingend um.

Alles wirkte unter der Leitung von Martin Lutz organisch, die immer wieder in den dunklen Vordergrund rückenden mehrstimmigen Männerchöre, das so natürliche wie ausgeglichene Ausformen der Chor-Phrasierungen. Und auch die Einbettung des nie zu dominanten Orchesters in Gestalt des Bach-Ensembles überzeugte zum Beispiel mit eindringlich artikulierten Bläserpassagen als wortlosen Fortsetzungen des Vokalen.

WIESBADENER KURIER 16.11.2015

 

Mendelssohn: „Lobgesang“-Sinfonie in der Kathedrale Porto

It was standing room only at Sé for the concert performance of the Bach- Ensemble Wiesbaden and Schiersteiner Kantorei Wiesbaden on Monday night. And standing ovations after the concert.

GAILATLARGE, Porto 22.10.2015

 

 

Pressestimmen 2013

 

Georg Friedrich Händel: „Belshazzar“
Enorme Bandbreite der Gefühle - Händels „Belshazzar“ mit der Schiersteiner Kantorei in Eberbach

Die Hybris, die ins Verderben führende Selbstüberhebung, die sich im Leben des babylonischen Königs Belsazar personifiziert findet, ist für Künstler ein dankbares und lehrreiches Motiv.

100 Jahre vor Heinrich Heines berühmter Belsazar-Ballade komponierte Georg Friedrich Händel das Oratorium „Belshazzar“, das Libretto verfasste Charles Jennens. In der Basilika von Kloster Eberbach wurde das grandiose Werk nun von der Schiersteiner Kantorei und dem Barockorchester La Corona unter der Leitung von Martin Lutz aufgeführt.

„Belshazzar“ ist durchdrungen von einer enormen Bandbreite an Emotionen. Chor und Orchester stürzen sich in die Handlung, und vor dem geistigen Auge des Zuhörers entfaltet sich in der lebendigen Interpretation gleichsam eine plastisch inszenierte Handlung. Der Bass Ekkehard Abele überzeugt als nach Rache dürstender persischer General Gobrias, der mit seinem König Cyrus den Sturz Belshazzars plant. Cyrus, gesungen von der Mezzosopranistin Bettina Ranch, erweist sich als unerbittlicher, messerscharf kalkulierender Stratege.

Der Tenor Andreas Weller gibt einen überzeugenden Belshazzar: Der König von Babylon erscheint nicht als eindimensionaler Bösewicht, man darf Sympathie entwickeln. Spannend gerät der Konflikt zwischen Belshazzar und seiner Mutter Nitrocris, die ihren Sohn von seinem lästerlichen Treiben abbringen möchte. Die Sopranistin Meike Leluschko singt die Partie überaus klar und anmutig. Das Barockorchester La Corona vermittelt den Reichtum von Händels Komposition mit transparentem Klangbild. Weite Teile des Oratoriums werden natürlich vom Chor getragen, wobei die Schiersteiner Kantorei Perser, Babylonier und Juden mitreißend und energiegeladen darstellt.

Größte Aufmerksamkeit gilt natürlich dem Moment, in welchem der eben noch spottende Belshazzar das Menetekel an der Wand erblickt. Diesen Wendepunkt untermalt das Orchester unter der Leitung von Martin Lutz mit höchster Intensität. Der russische Countertenor Dmitry Egorov singt die Rolle des Propheten Daniel, der die Weissagung deutet, mit schönem Timbre. Das Finale, in dem Daniel, Nitrocris und der Chor das Lob Gottes verkünden und ihre Erlösung bejubeln, krönt das Werk in der Basilika von Kloster Eberbach mit Enthusiasmus.

Wiesbadener Kurier, 21.05.2013

 

Antonín Dvorák: Requiem
Die Schiersteiner Kantorei und das Bach-Ensemble Wiesbaden vermitteln in der Marktkirche eindrucksvoll die Stärken von Antonín Dvoráks „Requiem“

Es ist gar nicht selbstverständlich, Antonín Dvoráks Totenmesse im sakralen Rahmen aufzuführen, so wie nun beim Konzert der Schiersteiner Kantorei in der Wiesbadener Marktkirche. Schließlich hat der tschechische Komponist sein „Requiem“ 1890 für die Musikfestspiele im britischen Birmingham geschrieben. Dort wurde es seinerzeit im Folgejahr auch uraufgeführt, in einem Konzertsaal, also ohne weiteren Anlass und jenseits jeglichen liturgischen Zusammenhangs.

Bei ihrem Konzert in der Passionszeit holten die Schiersteiner Kantorei, das Bach-Ensemble Wiesbaden und Dirigent Martin Lutz Dvoráks heute selten zu hörendes „Requiem“ op. 89 sozusagen in einen kirchlichen Raum zurück. Und konnten dabei in der erfreulich gut besuchten Marktkirche die Stärken des gut anderthalb Stunden dauernden Werks eindrucksvoll beglaubigen. Der Grundton ist ein eher lyrischer, auch wenn dem Wiesbadener Bach-Ensemble beispielsweise der Orchester-Übergang zur „Dies-irae“-Sequenz treffend düster und zwingend gelang – so wie überhaupt die zahlreichen schwarz gefärbten Solo-Einsätze der tiefen Blasinstrumente. Bereits den Beginn des Werks mit einem immer wieder kehrenden, auf der Stelle gärenden Motiv hatte Martin Lutz mit den vorzüglichen Streichern eindringlich fahl und damit besonders anschaulich ausgelegt.

Auch die Schiersteiner Kantorei konnte die besonders zwingenden Seiten des Werks treffend vermitteln: Im „Offertorium“ zu Beginn des zweiten der beiden „Requiem“-Teile etwa kam der freigebige Melodiker Dvorák bestens zur Geltung, in den stets konzentriert ausphrasierten Passagen von fast liedhafter und bestens getroffener Natürlichkeit. Die Beweglichkeit und Leichtigkeit der Chor-Soprane auf dem Fundament der kernig-satten Herrenstimmen beeindruckte beispielsweise im „Benedictus“. Sogar in den satten Tutti-Passagen, die sich nicht nur zu den effektvollen Schluss-Steigerungen einzelner Sätze ausrichteten, zeigte die Schiersteiner Kantorei ebenso viel vokale Präzision wie Flexibilität.

Im stark geforderten Solistenquartett war die junge Sopranistin Kateryna Kasper eine Klasse für sich: Die ukrainische Sängerin, Mitglied im Opernstudio der Oper Frankfurt, brachte ihre feine, warm ummantelte und im Lyrischen tragende Stimme mit einer hoch einfühlsamen Deutung ein, wie sie sich bald auch bei der versierten Altistin Melinda Paulsen einstellte. Bei den Herren mag es an der Tagesform gelegen haben, dass Thomas Dewalds Tenor eng und forciert, Marek Rzepkas Bass körnig und rau klangen: Die Passagen des gesamten Solistenquartetts wirkten freilich dennoch ausgewogen, erst recht, wenn sie im Wechsel mit dem Chor gesungen waren – nicht zuletzt Verdienst von Martin Lutz bei seinem großartigen Einsatz für Dvoráks beeindruckendes „Requiem“.

Wiesbadener Kurier, 18.03.2013

 

Pressestimmen 2012

 

Sonderseite Sonderseite des Wiesbadener Kuriers zum 50ten Jubiläum der Schiersteiner Kantorei.

 

Georg Friedrich Händel: Saul
Schiersteiner Kantorei glänzt mit Georg Friedrich Händels „Saul“ in Starbesetzung

Nein, eine szenische Aufführung des Oratoriums „Saul“ von Georg Friedrich Händel steht nicht an. Allerdings könnte man fast glauben, die gut besetzte Schiersteiner Kantorei wolle in Kloster Eberbach das Volk Israel mimen: Dicht gedrängt stehen die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne, doch hat der geringe Raum keinen Einfluss auf die hohe Klangqualität des Ensembles: Stimmgewaltig, homogen und transparent intoniert man die festlichen Chöre. Wozu man auch allen Grund hat: Die Schiersteiner Kantorei feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Mit dem Barockorchester „La Corona“ und einem gut besetzten Solistenensemble hat Martin Lutz hierfür zuverlässige Partner zur Hand, um das ausladende Werk zum Erlebnis zu machen.

Eine spannende Geschichte, die an diesem Abend vital interpretiert und damit fast schon inszeniert wird. Dies liegt an allen Beteiligten, besonders aber an den drei Hauptpersonen des Abends. Denn neben den Solisten Trine Wilsberg Lund (Sopran), die die Merab gibt, und Andreas Karasiak (Tenor) in der Rolle von Sauls Sohn Jonathan, sind es insbesondere Marek Rzepka (Bass) als Saul, Altus Andreas Scholl als David und Dorothee Mields (Sopran) als Michal, die begeistern: Machtvolle Rufe, Passagen schroffer Trauer und Eleganz des Ausdrucks bilden die Pole, in denen sich das Figurengeschehen abspielt.

Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt, 18.9.2012

 

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion
Plötzlich wirken expressive Wunder

Im Jubiläumsjahr, fast selbstverständlich, die Matthäuspassion. Zwölf Mal bereits hat die Schiersteiner Kantorei sie einstudiert, nun, im 50. Jahr nach Gründung des Chores, leitete Martin Lutz einmal mehr die Aufführung von Johann Sebastian Bachs Großwerk.

Selbstverständlich auch: die Kraft, die Ausstrahlung, die musikalische Geschlossenheit, die in drei pausenlosen Stunden die Aufführung der Matthäuspassion prägte. Bereits im Eröffnungschor „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“ verband sich der sichtbar wogende Gestus der Schiersteiner Kantorei mit zwingender musikalischer Stringenz. In den vielen Jahren der Zusammenarbeit von Martin Lutz und der Schiersteiner Kantorei scheint eine enge Vertrautheit gewachsen zu sein, die in der Matthäuspassion ein zur Natürlichkeit gelöstes und dennoch zugleich präzises Singen erlaubt. Da kann in den Chorälen sogar eine feine Verschiebung der Stimmengewichtung plötzliche expressive Wunder wirken, da artikuliert man die Turba-Chöre plastisch, anschaulich und deutlich, ohne dabei je zu forcieren. Denn das lässt immer noch Raum für dramatische Verdichtung.

Im „Barrabam!“-Ruf beispielsweise, einschneidend und jäh formuliert, nutzt ihn Lutz, der sich mit seinem Chor die Energie und den Weitblick auf das Werk teilt. Mögen andere der zweifelhaft legitimierten Mode folgen, Bachs Doppelchor durch zwei Solistenquartette zu ersetzen: Erst mit einem so vorzüglichen Ensemble wie der intensiv mit der Matthäuspassion vertrauten Schiersteiner Kantorei wird man der Intensität, der Fülle und natürlich auch dem dramatischen Gehalt des Werks gerecht. Das Barockorchester La Corona stützte die Aufführung genau, flüssig, unaufdringlich, den Vorrang des Wortes nie in Frage stellend.

… die vokale Eindringlichkeit dieser vom Publikum lang und intensiv gewürdigten Aufführung.

Wiesbadener Kurier, 2.4.2012

 

Pressestimmen 2011

Georg Friedrich Händel: Athalia
Ganz großes Ohrenkino

Ob tönend bewegte Chor-Kollektive, das historische Klangbild wendiger Instrumentalisten von „La Corona“ oder ein überzeugendes Solisten-Sextett: In allen Aspekten konnte die Interpretation von Georg Friedrich Händels selten aufgeführtem Oratorium „Athalia“ überzeugen, und Martin Lutz, der Leiter der „Schiersteiner Kantorei“, knüpfte in der Marktkirche an die denkwürdige Aufführung von Händels „Solomon“ 2009 an. Lang anhaltenden Beifall gab es für sein so konturenscharfes wie passioniertes Dirigat und die Kantorei.

Wiesbadener Kurier, 28.3.2011

 

Die Krönungsmusiken für King George II von Georg Fr. Händel

Zur Rekonstruktion dieser „Coronation of King George II“ durch das Bach-Ensemble Wiesbaden und der Schiersteiner Kantorei hatte sich die Basilika von Kloster Eberbach bis auf den letzten Platz gefüllt.
Unter dem dem präzisen und anfeuernden Dirigat von Martin Lutz erhielten die Lobeshymnen bestechendes Format, die Choristen präsentierten sich mit exzellent ausbalanciertem, wendigem Klang und transparenter Ausformung polyphoner Passagen. Im Bach-Ensemble hatten sie einen hervorragenden und mit schönen Instrumentalsoli aufwartenden Partner, Kompliment an die hier besonders geforderten Blechbläser. Im Anschluss an dieses rekonstruierte Krönungskonzert verwöhnte Lutz die Besucher mit einer passionierten Interpretation von Händels „Feuerwerksmusik“. Begeisterter Beifall.

Wiesbadener Kurier, 22.6.2011

 

Wolfgang Amadé Mozart: Die drei letzten Sinfonien
Interpretationen voller Energie

In der Basilika von Kloster Eberbach führte das Bach-Ensemble Wiesbaden die Werke unter der Leitung seines Dirigenten Martin Lutz auf. Gleich zu Beginn des sich langsam entwickelnden Adagios der kammermusikalisch geprägten Sinfonie Es-Dur KV 543 merkten die Zuhörer, dass ihnen ein spezielles Hörerlebnis bevorstand: Lutz und das Orchester verstanden es, die Besonderheiten der an sich heiklen Akustik in der Basilika zu nutzen. Die aufsteigenden Einzelstimmen vereinigten sich zu
einem besonders intensiven Klang, wobei die dynamischen Gegensätze deutlich blieben. Die Sinfonie g-Moll KV 550 zählt zu Mozarts bekanntesten Orchesterwerken, in ihr sind die Einflüsse der Oper unüberhörbar. Die Interpretation war energiegeladen, aber nie atemlos. Großartig geriet der Menuetto Allegretto überschriebene dritte Satz, in dem das Wechselspiel zwischen Streichern und Hörnern hervorstach. Schnell und kraftvoll begann auch die „Jupiter“-Sinfonie C-Dur KV 551. Das Spiel des Bach-Ensembles war überaus transparent, Streicher, Hörner und Flöte schienen einander zu beflügeln. Im zweiten Satz, Andante cantabile, wurden die Dissonanzen und das gesangliche Motiv mit einem schwebenden und intensiven Klang dargeboten. Euphorisch und fast schon ekstatisch wirkte das berühmte Finale.

Wiesbadener Kurier, 20.9.2011

 

 

Pressestimmen 2010

Bach: Matthäus-Passion

...das meint Martin Lutz. Man kann ihm vertrauen. Im Dirigat wie in der Auswahl der Musiker: Die rund 100 Sänger starke Schiersteiner Kantorei imponierte mit anschaulicher Klangfülle in den Turba-Chören und angemessener Durchsichtigkeit etwa im „Wahrlich, du bist auch einer von denen“. Exzellente Textverständlichkeit einte Chöre und Solisten. Ganz besonders gefiel Sopranistin Dorothee Mields mit ihrer frei und leicht aufblühenden Höhe.

Wiesbadener Kurier, 16.3.2010

 

Concerti von Antonio Vivaldi

Martin Lutz hatte sich ... auf die Suche nach selten gespielten Werken aus der Feder des venezianischen Meisters gemacht und präsentierte mit seinem Ensemble „Parnassi musici“ im voll besetzten Dormitorium von Kloster Eberbach einige Raritäten. So zauberte schon zu Beginn der federnd leichte Klang der Streichinstrumente venezianische Atmosphäre herbei. An Temperament und Elan ließen es die Künstler nicht fehlen. In weichem, noblem Klang spielte Fagottist Sergio Azzolini mit einer erstaunlichen Bandbreite des Ausdrucks seinen Solopart. Er modelliert Töne, lässt die kleinen barocken Figuren genüsslich paradieren: so witzig und pointiert erklingt alles, echt barock würdevoll gemessen und umwerfend virtuos, begleitet vom bezeichnender Mimik und gelöst nachgehender Körperhaltung - ein Kabinett stück! Herzlicher Beifall nach diesem brillanten Finale für die ausgezeichneten Musiker mit dem kundig moderierenden Cembalisten Martin Lutz.

Wiesbadener Kurier, 21.9.2010

 

Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem

...In den „Vier ernsten Gesängen“ gelang es dem Wiesbadener Bach-Ensemble, die schillernden und changierenden Farben von Glanerts Instrumentierung einfühlsam und sorgfältig zur Geltung zu bringen. Den Vokalpart hatte Konrad Jarnot übernommen, ein eher schlank timbrierter, aber ebenso gut fokussiert wie textgenau ausgestaltender Bariton. Jarnot wirkte auch in der Aufführung des „Deutschen Requiems“ von Johannes Brahms mit, ebenso die Sopranistin Heidrun Kordes, die den fünften der sieben Sätze mit nicht nachlassender lyrischer Intensität und Glaubhaftigkeit vermittelte. Die Schiersteiner Kantorei führte das „deutsche Requiem“ unter der Leitung von Martin Lutz wiederholt auf: Wie gewohnt, erreichte Lutz mit einer romantisch emphatischen Interpretation dank klug gestaffelter Dynamik und organischer Tempogestaltung eine lebendige, packende Aufführung. Die groß besetzte Kantorei konnte dabei nicht nur mit Volumen strahlen, sondern auch geschlossen und geschmeidig die innigen Passagen des Requiems ausleuchten. Der Beifall in der sehr gut besuchten Lutherkirche fiel angemessen warm, intensiv und lang anhaltend aus.

Wiesbadener Kurier, 16.11.2010

 

António Ferreira dos Santos: Requiem Infante (Portugal-Tournee Ostern 2010)

Aconteceu, no passado dia 31 de Março, o costumado concerto de Páscoa ... Das übliche Osterkonzert in der Igreja da Lapa in Porto ist immer ein Ereignis von großer Qualität, aber dieses Jahr gab es einige Merkmale, die es auszeichnen.
Wir hörten den klangschönen Kantoreichor aus Wiesbaden, das Sinfonieorchester Bach-Ensemble und die Solisten Heidrun Kordes und Berthold Possemeyer mit dem Requiem à Memória do Infante D. Henrique von Antonio Ferreira dos Santos. Es war ein außergewöhnliches, bewegendes Konzert: der Chor und Solisten sangen in einem erfreulich guten Portugiesisch, einer Sprache, die magisch schien. Es ist ungewöhnlich, Konzerte von so hoher Qualität zu hören. Der hochgeschätzte Dirigent Martin Lutz ... brachte die Komposition von Conego Ferreira dos Santos ganz nah an den Intentionen des Komponisten. Das Osterkonzert liess mich viel nachdenken über die Wirkung von Musik. Denn ich verließ die Kirche erleuchtet. ...Para já, saí dali iluminada e deliciada.

Zilda Cardoso, Cultura Porto, 16.4.2010

 

 

Pressestimmen 2009

Sinfonien von Mendelssohn und Haydn

In allen Werken zeigte sich das Orchester jeweils rhythmisch mitreißend wie intonatorisch fundiert. Fein austarierte Bläsersoli mit unaufdringlicher Brillanz und schroff zerklüftete Streichertutti stachen in der Konzertouvertüre hervor, Mendelssohns „Schottische Sinfonie“ wurde in all ihren unterschiedlichen Facetten und reicher Atmosphäre mit geradezu sinnlicher Begeisterung ausgelotet. Was am Bach-Ensemble besonders auffällt, ist die erstaunlich homogene Spielweise eines Orchesters, das aus einer Reihe profilierter Persönlichkeiten der führenden Klangkörper der Region zusammengesetzt ist. Insbesondere die deutlichen Phrasierungen, mit denen die Werke klar strukturiert und plastisch erfahrbar gemacht werden, sprechen für eine ungemein intensive Arbeitsweise. Das Orchester formuliert sehr präzise und ermöglicht dadurch eine hohe Transparenz, die dem Zuhörer die verschiedenen Klangschichten der Musik verdeutlicht, ohne die Werke jedoch in ihre Bestandteile aufzulösen.

Wiesbadener Kurier, 22.9.2009

 

„Requiem Infante“ von António Ferreira dos Santos

Die Schiersteiner Kantorei und das eher in Wucht geforderte Wiesbadener Bach-Ensemble hatten die Herausforderung einer deutschen Erstaufführung mit der angemessenen Leidenschaft, mit Präzision und hörbar sorgfältiger Einstudierung angenommen. Die schroff von Santos gesetzten Kontraste zwischen Licht und Dunkel, zwischen aufreibend diffusen und mächtig im Tutti strahlenden Passagen lassen im Vokalen nicht zuletzt eine kräftige Glaubensfreude zum Ausdruck kommen. Und so endete dieses Requiem dann auch hell und ein wenig überraschend in der Höhe, offen also, dabei versöhnlich und optimistisch. Die Begeisterung des Publikums war ungeteilt.

Wiesbadener Kurier, 23.11.2009

 

Haydns Kosmos in frischen Farben

ORATORIUM "Die Schöpfung" im Kloster Eberbach

Der Erfolg war so außergewöhnlich, dass Fürst Schwarzenberg zur zweiten Aufführung von Joseph Haydns "Schöpfung" in seinem Wiener Stadtpalais die Marktstände auf dem Mehlmarkt beiseite räumen ließ, um den eingeladenen Gästen die Anfahrt zu ermöglichen. Das "gewöhnliche" Publikum musste ein dreiviertel Jahr warten - erst im März 1799 fand die erste öffentliche Aufführung im überfüllten Burgtheater statt.

Ein großer Erfolg war nun auch die Aufführung des Oratoriums im Kloster Eberbach. Martin Lutz und seine Schiersteiner Kantorei bestätigten durch ihre subtile Ausdeutung der Partitur die Lebensfähigkeit und Anziehungskraft des Werks nachdrücklich. Lutz nahm zügige Tempi, ließ den musikalischen Kosmos Haydns in federnder Ausdruckskraft erstehen, dirigierte mit detailliert nachspürender Zeichengebung. Prächtig und transparent in den polyphonen Teilen erklangen die Chöre. Die Sängerinnen und Sänger zeigten sich in wendiger Bestform, exzellent auch in Diktion und Dynamik. Entsprechend begeistert war die Zustimmung in der überfüllten Basilika.

An diesem Beifall hatten die Solisten einen nicht geringen Anteil, an erster Stelle muss Bariton Eike Wilm Schulte genannt werden - eine Stimme mit schier unverwüstlicher Strahlkraft, mit kerniger sonorer Fülle, die auch lyrischen Passagen Gewicht gab und selbst im Bassregister noch profund trägt. Gleichermaßen exzellent Dorothee Mields, die ihren Part mit silbrig aufleuchtendem, geschmeidig geführten Sopran sang. Bernhard Berchtold überzeugte mit klarem, hell timbrierten, markanten Tenor. Das Bach-Ensemble Wiesbaden versah seinen Orchesterpart im feinen Wechselspiel von Piano und Forte mit der von ihm gewohnten Souveränität - an dieser passionierten Aufführung hätte der Komponist, dessen 200. Todestag wir in diesem Jahr begehen, seine Freude gehabt.

Richard Hörnicke, Wiesbadener Kurier, 16.6.2009

 

Königliche Freuden

Händels Oratorium "Solomon" mit Andreas Scholl in der Marktkirche

Der König ist ein Genießer. Das sieht man, wenn er wissend lächelt, während seine Königin von ehelichen Freuden singt. Das hört man aber auch später im außerehelichen Duett des Königs mit der Königin von Saba. Die Terzen klingen nach süßen Geheimnissen. Ja ja, der König ist ein Genießer! In Georg Friedrich Händels Oratorium "Solomon" steckt, typisch für die Barockzeit, nicht nur im musikalischen Detail allerlei Bedeutung hinter der Bedeutung: Das ganze Oratorium, in dessen Zentrum der weise urteilende Salomo steht, lässt sich als Loblied auf Georg II., den englischen König aus dem Hause Hannover, lesen bzw. hören. Und beim musikalischen Gipfeltreffen zwischen der arabischen Prinzessin und dem jüdischen König muss man irgendwie auch an aktuelle Utopien aus dem völkerverbindenden Geist von Daniel Barenboims west-östlichem Orchesterprojekt denken.

Loblied auf den Regenten

In Wiesbadens Marktkirche, wo Martin Lutz mit der Schiersteiner Kantorei und dem Barockorchester La Corona aus Freiburg "Solomon" zu einem Triumph führt, ist Andreas Scholl der weise König. Eine Ideal-Besetzung in mehrfacher Hinsicht. Einmal auf der musikalisch-praktischen Ebene eines souveränen, international gefeierten Interpreten, der die Partie schon vor zehn Jahren in der ersten Gesamteinspielung des selten aufgeführten Oratoriums (unter der Leitung von Paul McCreesh) verkörpert hat. Dann aber auch durch die trefflich zur Idealisierung passenden Ent-Rückung des biblischen Souveräns im Stimmfach des Countertenors. Ein berückender, körperloser Klang, der nicht von dieser Welt zu kommen scheint und dennoch höchst sinnlich wirkt. Andreas Scholl, der singende Hahn im Korb, genießt die Partie und (be)lebt sie auch, seinen beiden schönen Königinnen sichtlich zugetan, in Ansätzen einer szenischen Interpretation auf dem Podium. Die Damen geben sich in der konzertanten Kirchen-Situation etwas spröder. Aber nur szenisch. Musikalisch ist die Besetzung mit den Sopranistinnen Hannah Morrison (Queen) und Trine Wilsberg Lund (Königin von Saba) nicht minder überzeugend. Vorzüglich auch der angenehm timbrierte, in den Koloraturen virtuos geführte Tenor Andreas Karasiaks als Zadok, während Gotthold Schwarz dem Leviten Bass-Würde verleiht.

Das starke Fundament von Händels musikalischem Prachtbau ist am Sonntag die Schiersteiner Kantorei, die in dem vor genau 260 Jahren in London uraufgeführten Oratorium vielfach gefordert ist und in fast drei Stunden Aufführungsdauer kaum Ermüdungserscheinungen zeigt. Scharf konturiert sind unter der konzentrierten, energischen Leitung von Martin Lutz die polyphonen Passagen, in prächtiger, staatstragender Fülle klingt der Chor der Israeliten.

Prächtige Klangfülle

Einer der Höhepunkte des Werks ist der "Nachtigallenchor", in dem der Friede der königlichen Liebesnacht besungen wird, duftig eingeleitet von den Originalinstrumenten. Da darf der König wieder genießen: Andreas Scholl wendet sich lächelnd dem Klangkörper zu, und allein aus der Macht der Musik baut sich in der Marktkirche eine Szene auf, in der sich Bühnenbilder und Kostüme erübrigen. Ähnlich suggestive Qualitäten entfaltet Händel auch in der Präsentation kontrastierender Gefühle im dritten Akt. Das Publikum genießt königlich und ist nach drei Stunden noch stark genug, um stehend zu applaudieren und diesen eindrucksvollen Beitrag zum Händel-Jahr anhaltend zu würdigen.

Volker Milch, Wiesbadener Kurier, 17.03.2009

 

 

Pressestimmen 2008

Mozart: Ouvertüren und Arien aus „Don Giovanni“, „Le nozze di Figaro“ und „Idomeneo“, Sinfonie Es-Dur KV 543

Über dem Intrigen-Gewusel der Geigen ballten sich Lyrisches und Auftrumpfendes in den ersten
Takten der Don Giovanni-Ouvertüre aufs geradezu Anschaulichste zu einer Spannung, die sich schließlich im hellen Lachen der Susanna zu entladen schien. So gespielt vom Wiesbadener Bach-Ensemble unter der Leitung von Martin Lutz im Dormitorium von Kloster Eberbach, ist Mozart ein unwiderstehlicher Leckerbissen sogar für jene, die ihn normalerweise nicht ausstehen können. Den insgesamt drei Ouvertüren folgte jeweils eine von Heidrun Kordes gesungene Szene aus der entsprechenden Oper. ...

Eine wahre Rarität war die Szene der vor Eifersucht rasenden Elettra aus "Idomeneo". Das Rezitativ "O smania! o furie" und die Arie "D´Oreste, d´ajace" hatte Mozart für die Münchner Uraufführung geschrieben, dann jedoch möglicherweise deshalb gestrichen, weil niemand sie angemessen zu singen verstand. Heidrun Kordes meisterte die immens schwierige, mit gespreizten Intervallen und Koloraturen gespickte Partie mit Verve und einer unglaublichen technischen Souveränität. ...

Pure Begeisterung löste auch die Aufführung der Sinfonie Es-Dur KV 543 aus. Ein Schlüssel hierfür lag wiederum in der Spaltklanglichkeit; dass Martin Lutz die Orchesterstimmen nicht hierarchisch miteinander verschmelzen, sondern als voneinander unabhängige Klangschichten sich entfalten ließ. Und natürlich an der Frische des Musizierens. Gestik und Mimik der Musiker verrieten den enormen Spaß, den sie am Musizieren und aneinander hatten, etwa im zweiten Satz, wenn das zunächst zwischen Dur und Moll kreisende Thema der Streicher durch eine eingeworfene Frage der Holzbläser in Wallung gerät. Überragend gelungen das Allegretto des Menuetts mit dem luziden Klarinetten-Flöten-Dialog im Trio. Und auch die an Haydn erinnernden Späße im Finale.

Wiesbadener Tagblatt, 23.9.2008

 

Die sinnliche Mädchenkiste
Kantor Martin Lutz und sein Vivaldi-Projekt im Kloster Eberbach

WIESBADEN Es schwingt beinahe so etwas wie Ärger über sich selbst in seiner Stimme, wie Erschrockenheit gar. "Waren wir denn alle blind? Wir wussten doch, das war eine reine Mädchenkiste!" Die Kiste, von der Martin Lutz spricht, stand in Venedig und war eine der großen touristischen Attraktionen des frühen 18. Jahrhunderts. Wie man sich heute in die Schlange vor der Kartenkasse der Scala in Mailand einreiht, bemühte sich der barocke Kunstreisende um einen Platz in der Kapelle des Ospedale della Pietà. Jeden Sonntag um 16 Uhr traten dort, sichtgeschützt hinter einem leichten Holzvorhang, die Mädchen und Frauen zum Konzert an - "ein Konzert, das unter dem Etikett eines Gottesdienstes segelte", wie Lutz erklärt. "Der Ospedale-Besuch war ein touristisches Muss. Und, wie wir heute sagen würden: eine Marketingmaßnahme, sich zu präsentieren und Geld einzunehmen." Denn die Mädchen dieses Waisenhauses sollten schließlich einen Teil dessen refinanzieren, was in sie in musikalischer Spitzenausbildung durch Lehrer wie Antonio Vivaldi investiert worden war.

Soweit alles bekannt. Doch was dem Kantor und Musikwissenschaftler Martin Lutz wirklich zu schaffen macht: Weder er noch (fast) all die anderen Vivaldi-Interpreten von heute haben sich je daran gestört, dass Vivaldis geistliche Musik in einem herkömmlichen vierstimmigen Chorsatz notiert ist. Also mit Tenören und Bässen, den männlichen Singstimmen.

Um diese Diskrepanz zwischen Notenbild und Aufführungssituation aufzulösen, hat der Chorleiter aus Schierstein nun ein in Deutschland so noch nicht dokumentiertes (nur in den 1990ern in England durch Andrew Parrott einmal ausprobiertes) Klangexperiment unternommen. So lässt er jetzt, bei seinem Vivaldi-Konzert in Kloster Eberbach, Sopran und Alt wie notiert singen, hat aber die Tenor- und Bassstimmen nach oben oktaviert, so dass auch diese von Sopranistinnen und Altistinnen gesungen werden können.

"Dadurch ändert sich das Klanggefüge, und zwar in einer ausgesprochen irritierenden Weise. Es entstand plötzlich ein ganz eigener, irisierender, rauschhafter Klang, für den ich selbst gar keine Worte finde", so Lutz. "Der Satz wird extrem eng und dicht, die Stimmen kreuzen sich, und dennoch bleibt der echte Sopran als Melodiestimme stets erkennbar". Bestätigt sieht sich der Wiesbadener Frauenverdichter durch jene zeitgenössischen Aussagen von Ospedale-Besuchern wie Charles Burney oder Jean-Jacques Rousseau, die von einem ganz eigentümlichen, engelsgleichen Chorklang sprachen - einen, "den es sonst nirgends gibt", das eine immer wiederkehrende Schlüsselbemerkung für Lutz. "Das Klangbild, das ich jetzt mit meinen Sängerinnen bekomme, wurde von ersten Probehörern ähnlich beschrieben wie damals: engelsgleich, irritierend, sinnlich."

Frauen der Barockzeit singen Kirchenmusik? In Venedig war dies möglich, erklärt Lutz. "Ähnlich wie die Kiedricher ihren Choral bewahrt haben gegen alle Spielregeln, so hatte Venedig eine andere liturgische Praxis, gegen die Regeln Roms". Venedig tickte traditionell anders.

Wenn Martin Lutz jetzt mit seiner Schiersteiner Kantorei und dem Barockorchester La Corona ein Patroziniums-Festkonzert des Ospedale della Pietà in Venedig rekonstruiert, wie es dort am 2. Juli 1714 unter Maestro Antonio Vivaldi stattfand, wird also alleine eine "Mädchenkiste" zu hören sein: sinnlich-eng geführte Frauenstimmen als eine "Hypothese, die gleichzeitig ein musikalisch hoch attraktiver Lösungsvorschlag" ist für ein lange ausgeblendetes Aufführungsproblem, so Lutz. "Vor 30 Jahren habe auch ich Vivaldi ganz anders aufgeführt. Ich bin froh, dass ich da jetzt etwas wieder gutmachen kann."

Wiesbadener Kurier, 5.6.2008

 

Ein Oratorium der Emotionen

Diese Wandlung ist sprichwörtlich: Noch als Saulus darf der Bass eine zornige Arie singen: "Vertilge sie, Herr Zebaoth" wütet er in heftig bewegtem bis düsterem Moll gegen die Christen.

Im Zentrum des 1836 uraufgeführten Werks stehen allerdings weniger die insgesamt fünf Vokalsolisten als die äußerst stark geforderten Chormitglieder. Es darf drastisch klingen, wenn das Volk ein "Steiniget ihn!" einfordert: In solchen Momenten sang die Schiersteiner Kantorei so präzise wie packend, dramatisch durchschlagend und doch kultiviert. Die durchaus kräftigen Ausdrucks-Wechsel innerhalb des Werks vollzog der Chor sicher nach, etwa als auf den vollen und strahlenden Chor "Mache dich auf" der wunderbar innehaltend gestaltete Choral "Wachet auf! ruft uns die Stimme" folgte. Auch in großer Besetzung erwies sich die Schiersteiner Kantorei einmal mehr als äußerst präzise und geschlossen sowie stets ausgewogen in der Gewichtung der Stimmgruppen. Eine große und nie nachlassende Leidenschaft war in jedem der zahlreichen Chorsätze zu spüren und wurde am Ende mit besonders großem Applaus für die Kantorei gewürdigt.

Auf instrumentaler Seite garantierte das zuverlässige, gerade seitens der Bläser schon in der Ouvertüre markant spielende Bach-Ensemble eine angemessene Unterstützung der vokalen Leistungen. Außerdem ließ Martin Lutz einige Nummern zusätzlich von der großen Orgel begleiten - ein opulenter Raum-Effekt, der die Klangpracht wie die Emotionalität dieses romantischen Oratoriums eindrucksvoll unterstrich. Mit Heidrun Kordes konnte man ein ehemaliges Ensemblemitglied des Hessischen Staatstheaters erleben; die Sopranistin gestaltete ihren Part mit immer noch ausgeruht und frisch wirkender Stimme sowie starker Ausdruckskraft; Tenor Bernhard Berchtold sang wortverständlich und mit stabiler Höhe. Kleinere solistische Beiträge leisteten die Chormitglieder Anne Wagner (Alt) und Hans-Georg Schulte (2. Bass) ohne jeglichen Niveauverlust - auch das ein Verdienst für die Schiersteiner Kantorei.

Axel Zibulski, Wiesbadener Kurier 10.3.2008

 

Pressestimmen 2007

Beethoven: Neunte Symphonie (Tschechische Philharmonie, Ltg. Zdenek Macal)
Im Chorfinale konnte die Schiersteiner Kantorei neben dem Orchester brillant bestehen.
FAZ, 22.1.2007

Hervorragend bewährte sich der von Martin Lutz bestens vorbereitete Chor der Schiersteiner Kantorei. Besonderes Kompliment an die Damen des Chors, die ihre beachtlich schwierigen Höhenwanderungen mit Bravour bestanden.
Wiesbadener Kurier, 21.1.2007

Die Götterfunken sprühten nur so
Mit dem tschechischen Renommierorchester gastierte ein hervorragend motiviertes Ensemble im Thiersch-Saal, das die vielen Nuancen der großen Neunten ansprechend beleuchtete. Schon im ersten Satz erschien das Spiel des von Zdenek Macal engagiert geleiteten Orchesters dicht und kraftvoll - keine Spur von routinehafter Abnutzung oder gar Langeweile. Man agierte, als habe man das Werk gerade erst für sich entdeckt, quasi wie frisch verliebt. Diese Spielweise brachte auch in das Andante moderato viel Farbe und Anmut. Hier traten besonders die Streicher mit einem dichten, sorgsam zurechtgezupften Teppich in den Vordergrund.
Den Applaus am Ende konnten die tschechischen Instrumentalisten jedoch nicht für sich allein beanspruchen. Mit der Schiersteiner Kantorei stand ein einheimischer Chor zur Verfügung, der schon längst zu den professionellen Vokalensembles der Region gehört und die Götterfunken geradezu sprühen ließ.
Frankfurter Neue Presse 22.01.2007

Beethoven: 3. Sinfonie (Eroica) / Weber: Fagottkonzert, Ouvertüre
...Und dass Lutz mit der hallreichen Akustik der Basilika bestmöglich und vielleicht besser als mancher hereinjettende Festival-Gastdirigent umzugehen weiß, war bereits im Durchführungsteil des ersten Satzes deutlich geworden: Ganz fein und ganz transparent ließ er hier Beethovens motivische Arbeit ausspielen. Eine gewisse, ebenfalls von der Akustik begünstigte Dominanz der Bläser würzte den Klangeindruck, zumal gerade die Spieler der Naturhörner ihre heiklen Passagen im Trio-Teil des Scherzos tadellos bewältigten - nur ein Beispiel für das hohe musikalische Niveau, auf dem das 1975 gegründete Bach-Ensemble auch hier wieder agierte. Carl Maria von Webers Konzert für Fagott und Orchester ist für das Instrument ein Bravourstück, als das Azzolini es auch bestens zu nutzen verstand, in den Rahmensätzen bis in die satte Tiefe hoch beweglich, lyrisch und gesanglich im mittleren Adagio. Auf Weber eingestimmt hatte das Bach-Ensemble mit der Ouvertüre zu dessen letzter Oper „Oberon“, in der vor allem die äußerst variable, bis ins Detail fein differenzierte Tempo-Gestaltung durch Martin Lutz belebend wirkte.
Wiesbadener Kurier, 12.6.2007

Bach: Messe h-Moll
In der Marktkirche war Martin Lutz mit seiner Schiersteiner der Baumeister, die grandiose Architektur der „Hohen Messe“ in aller Pracht erstehen zu lassen. Dem Chor hat Bach die tragende Aufgabe zugewiesen. Und wieder kann man den Choristen der Schiersteiner Kantorei bescheinigen, dass sie ihren Part in lupenreiner Intonation, hervorragender Textverständlichkeit und mit starker Ausdruckskraft bewältigten, flexibel auf die Zeichengebung des präzise, hochkonzentriert und stark fordernd dirigierenden Martin Lutz reagierten. Er verstand es, dank seines straffen und zügigen Dirigats nach dem machtvoll und feierlich gestalteten dreiteiligen Introitus bis zum „Dona nobis pacem“ eine sich ständig steigernde Spannung aufzubauen, exzellent schon die transparente Auflichtung des polyphonen Gewebes im Eingangschor des Gloria,machtvoll und in fast ekstatischem Aufschwung dessen Schlusssatz, in gleich packendem Format die Doppelchöre im „Sanctus“. Auch von den Solisten ist nur Gutes zu berichten... Das Bach-Ensemble Wiesbaden war mit vielen ausgezeichneten Instrumentalsoli ein flexibel und klangschön musizierender Partner. Begeisterter, lange anhaltender Beifall im bis auf den letzten Platz besetzten Gotteshaus. Wiesbadener Kurier, 19.11.2007

 

Pressestimmen 2006

Bach: Matthäuspassion
Ganz vertraut war natürlich auch in dieser Marktkirchen-Aufführung der Matthäuspassion das ebenso hohe Niveau wie Engagement, das die Schiersteiner Kantorei in dem doppelchörigen Werk bewies. Agogisch wie dynamisch differenziert durchgearbeitet hatte Lutz selbst die Choräle, hier weniger als schlichte Beiträge der Gemeinde, vielmehr als ebenso artifizielle Elemente wie die Chorsätze verstanden. Die Präzision der Schiersteiner Kantorei war selbst dann exakt gewahrt, wenn sich Lutz, wie im Eröffnungschor "Kommt, ihr Töchter", dem seitlich aufgestellten Wiesbadener Knabenchor (einstudiert von Roman B. Twardy) zuwandte. Dass die Turba-Chöre selbst in den Kreuzigungs-Rufen eher geschlossen und kontrolliert als plakativ klangen, lautmalerische Elemente wie das Zerreißen den Tempelvorhangs eher fein angedeutet als übermäßig akzentuiert wurden, passte dabei bestens in das Konzept, dieser Aufführung der Matthäuspassion einen eher inwendigen, reflektierenden Grundton zu verleihen.
Wiesbadener Kurier, 13.03.2006

Mozart: Krönungsmesse / Cannabich: Mozarts Gedächtnis-Feyer
Die Schiersteiner Kantorei, in Cannabichs Mozart-Kantate nur mit kleineren Einsätzen gefordert, zeigte sich in der Motette „Regina coeli laetare" KV 276 mit ihren Anspielungen an Händels „Messias" ebenso zuverlässig vorbereitet wie im Hauptwerk dieses Konzerts, Mozarts Messe C-Dur KV 317. Die „Krönungsmesse" stammt übrigens aus dem gleichen Jahr
(1779) wie die beiden zuvor aufgeführten Motetten; in der Ausführung durch die Schiersteiner Kantorei überzeugte einmal mehr die Verbindung von gut ausgearbeiteten Details wie den stets schnell abschattierten Kyrie-Rufen mit einem geschlossenen Gesamteindruck, den die Ausgewogenheit des Chores, aber auch das eher geschmeidig als kernig stützende Bach-Ensemble vermittelten. Ausgewogen wirkte hier auch das Solistenquartett, das von Kordes' Schülerin Anne Bierwirth (Alt), Scot Weir (Tenor) und Gotthold Schwarz (Bass) komplettiert wurde.
Wiesbadener Kurier, 20.06.2006

Unvollendetes von Mozart und Schubert
Giacomo Puccinis Oper Turandot wurde zunächst als Torso uraufgeführt, und kaum ein Dirigent kommt auf die Idee, eine Aufführung von Anton Bruckners unvollendet gebliebener Sinfonie Nr. 9 d-Moll tatsächlich um dessen eigenes Te deum zu ergänzen, wie es sich der Komponist gewünscht hatte. Nun mag der liturgische Bezug von Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem KV 626 eine Wiedergabe dieses ebenfalls unvollendet gebliebenen Werks fast als undenkbar erscheinen lassen. Aber die nach wie vor gängige Praxis, auf die Vervollständigung von. Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr zurückzugreifen, erscheint gerade im Kontext der historischen Aufführungspraxis zunehmend fragwürdig.
Denn es gibt längst Alternativen zu Süßmayrs in Satztechnik und Instrumentierung nicht gerade idealer Requiem-Fassung, beispielsweise die Bearbeitung des amerikanischen Musikwissenschaftlers und Mozart-Experten Robert Levin. Bei ihrer Aufführung des Requiems in der Wiesbadener Marktkirche konnte die Schiersteiner Kantorei freilich eine hausgemachte Vervollständigung vorstellen: Ihr Leiter Martin Lutz hat sich selbst sein Bild von dem Werk gemacht. Seine Fassung bezieht ein, was Süßmayr aussparte, nämlich eine Amen-Fuge nach dem Lacrymosa. Und gerade in diesem Teil der Messe ist ja der Bruch zwischen Mozart und Süßmayr sonst besonders eklatant zu hören. Nicht so in der Bearbeitung von Martin Lutz, der hier durch einen geschickten thematischen Rückbezug auf den Eingangssatz den Eindruck weit stärkerer Geschlossenheit gewinnen lässt.
Gerade in den von Lutz bearbeiteten Teilen der Messe boten die Schiersteiner Kantorei und das Bach-Ensemble Wiesbaden eine höchst sorgfältige Aufführung. So klanglich ausgewogen wie präzise wirkten beispielsweise die fugierten Abschnitte des Chores, und dem Orchester blieben hier manche unbeholfenen Elemente der Süßmayr-Fassung erspart; der bei Lutz sensiblere und ausdrucksstärkere Einsatz gerade der Holzbläser, vom Bach-Ensemble durchweg angemessen umgesetzt, dürfte naturgemäß näher an Mozarts eigenem Ideal liegen. Dagegen blieb es Nebensache, dass zuvor nach einem Missverständnis ein zweites Mal zur Orchestereinleitung angesetzt werden musste oder dass die Herren das „Rex tremendae" dann doch eine Spur zu grobkörnig in den Raum stellten. Heidrun Kordes, mit immer noch lyrisch-feinem Sopran, daneben Tenor Scot Weir, Susanne Schaeffer (Alt) und Friedemann Röhlig (Bass) waren zusammen ein höchst ausgewogenes Solisten-Quartett.
Ein anderes unvollendetes Werk hatten Lutz und das Bach-Ensemble dem Requiem vorangestellt. Im Fall von Franz Schuberts Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 liegen die Dinge freilich etwas anders; Schubert hat ihre beiden Sätze Jahre vor seinem Tod komponiert, man spekulierte zuweilen sogar, ob zwei weitere Sätze verschollen sind. Wie auch immer: In ihrer Aufführung der „Unvollendeten" unterstrichen Martin Lutz und das Bach-Ensemble die Extreme des ersten Satzes: Extrem langsam keimte das Cello-Motiv auf, extrem wuchtig wirkten die Fortissimo-Schläge, extrem lange gehalten die Momente des Stillstands. Insgesamt also ein gelungener Abschluss des achten Wiesbadener Musikherbsts.
Wiesbadener Kurier, 20.11.2006

Mozart: Große Messe c-Moll
Lutz dirigierte mit der von ihm gewohnten Energie und Konzentration, höchst passioniert, erreichte mit der Schiersteiner Kantorei unter Begleitung des Bach-Ensembles Wiesbaden imponierendes Format. Die zahlreichen Choristen meisterten ihre anspruchsvolle Aufgabe in fülligem Ton mit erstaunlicher Sicherheit in Ausdruck und Intonation, transparent in den polyphonen Passagen und in beachtlicher Diktion, sie hatten im Orchester einen zuverlässigen Partner.
... lange anhaltender und begeisterter Beifall der Zuhörer...
WIESBADENER KURIER

 

Pressestimmen 2005

BACH: Weihnachtsoratorium 1-6
Ein festliches und sehr bewegendes Ende der diesjährigen Wiesbadener Bachwochen in der bis auf den letzten Platz besetzten Marktkirche. Martin Lutz hatte sich entschlossen, mit seiner Schiersteiner Kantorei und dem Bach-Ensemble Wiesbaden alle sechs Kantaten des Bach´schen "Weihnachtsoratoriums" aufzuführen, nahm bewusst Abstand von der gängigen Praxis, es mit der Interpretation der ersten drei Kantaten bewenden zu lassen. Das Ergebnis gab dem rührigen und engagierten Musiker Recht. Nur in dieser zusammenhängenden Gestaltung lässt sich der architektonische Riesenbau der Komposition erkennen und die Meisterschaft bewundern, mit der Bach die Teile des Werks in Bearbeitung und Parodieverfahren von weltlichen Festkantaten zu einer stilistischen und themengerechten Einheit band.
Lutz gelang eine Gestaltung, die dank straffer Tempi in ihrer spontanen Unmittelbarkeit fesselte, obwohl er auf eine Kürzung der Arien verzichtete und ihr barockes Schema beibehielt. So konnte er in der dreistündigen Aufführung eine unmittelbar packende Spannung halten. Es war eine Freude, ihm zuzusehen, wie er Melodiebögen nuanciert ausdirigierte, teilweise auf das Taktieren verzichtete, seinen Chor energisch forderte - hier war ein von der Sache Besessener am Werk.
Seine bestens vorbereiteten Schiersteiner Sängerinnen und Sänger folgten ihm in der gewohnten Wendigkeit und Präzision. Hervorragend die Bandbreite des Ausdrucks in exzellenter Diktion, transparent austariert die polyphonen Passagen, von starker Eindringlichkeit die Choräle. Im Orchester hatten die Choristen den rechten ausgezeichnet musizierenden Partner mit vielen schönen Soli, flexibel und hochkonzentriert....
Am Ende überaus herzlicher und lange anhaltender Beifall für eine Maßstäbe setzende Interpretation.
WIESBADENER KURIER, 5.12.2005

HÄNDEL: Messias
... als Ausdruck einer in sich ruhenden Musizierhaltung, mit der einmal mehr auch die Schiersteiner Kantorei überzeugte: So entspannt wie exakt klangen die Piano-Passagen, so aufmerksam unter sich ausgewogen wirkten die einzelnen Stimmgruppen. Selbst leicht ins dramaturgisch Oberflächliche abgleitende Passagen wie die "Wonderful, Counsellor"-Ausrufe und natürlich das populäre "Halleluja" waren vokal organisch durchgearbeitet, keinen Augenblick plakativ. .. in dieser mit starkem Applaus gefeierten Messias-Aufführung...
WIESBADENER KURIER, 7.11.2005

Eine venezianische Dogenkrönung
„Doch in musikalischer Hinsicht blieb Martin Lutz (...) historisch ganz exakt, konnte sich auf die musikalische Stilsicherheit seiner beiden Instrumentalensembles bestens verlassen. Die Streicher des Freiburger Barockensembles „Parnassi musici“ näheren sich der historischen Aufführungspraxis so klangsinnlich, weich und geschmeidig, wie man es von früheren Projekten von Lutz mit diesen Musikern gewohnt ist; die Bläser des Johann Rosenmüller Ensembles Leipzig intonierten auf Zink und Posaune nicht weniger tadellos.
...sowie eine natürlich bestens präparierte Schiersteiner Kantorei, die mit großer Flexibilität auf die Wechsel zwischen fünf-, acht- oder gar sechzehnstimmigen Sätzen reagierte.
Eine klangvolle Inszenierung der Macht. Das Publikum zeigte sich begeistert.
WIESBADENER KURIER, 7.6.2005

Brahms: Nänie, Schicksalslied, 2. Sinfonie
... ein Orchester-Nachspiel von ätherischer Schönheit, das in der Marktkirche vom Bach-Ensemble Wiesbaden so geschmeidig ausgekleidet wurde, wie die Schiersteiner Kantorei zuvor gesungen hatte: Den Text fast im Erzählton haltend, formte man Brahms' pathetische Akzente doch mit Nachdruck aus.
Angemessen natürlich, klanglich geschlossen und ausgewogen präsentierte die Schiersteiner Kantorei die „Nänie“ op.82, und es spricht für das hohe Niveau des Chores, wie sich beispielsweise die Sopranstimmen ungemein schwerelos in äußerste Höhen recken konnten: zwei Brahms-Interpretationen, die den Wert dieser selten gehörten Stücke bestens beglaubigen konnten.
Das Bach-Ensemble Wiesbaden und Martin Lutz ergänzten den Brahms-Abend um dessen zweite Sinfonie D-Dur op. 73. Nicht zu gemächlich das „allegro non troppo" des Kopfsatzes, verhältnismäßig gelassen das treibende Finale: Eine formal ausgeglichene Interpretation, in der sich Lutz gerade auf die durchweg exzellenten Bläserstimmen seines Ensembles bestens verlassen konnte.
WIESBADENER KURIER, 7.3.2005

 

Pressestimmen 2004

Weihnachtsmusik bei Kerzenschein
Die viel gefragte Weihnachtsmusik bei Kerzenschein ist zu einer der schönsten kulturellen Traditionen in Wiesbaden geworden. ...“Das Kleine kann große Veränderungen bringen“ – die Musiken dieses Abends hatten dank spannender Interpretation solches bewirkt.
WIESBADENER TAGBLATT , 21.12.2004

Monteverdi: Marienvesper
„Die Aufführung von Monteverdis „Marienvesper“ in der Wiesbadener Marktkirche unter der Leitung  on Martin Lutz mit der Schiersteiner Kantorei und barocken Instrumenten war ein lohnendes Erlebnis. (...) Es wartete ein aus dem Blickwinkel des Urmusikalischen heraus gründlich befragtes und in lustvoller Detailarbeit angeeignetes Meisterwerk darauf vom zahlreich erschienen Publikum empfangen zu werden.“
FAZ, 11.12.2004

Es wurde eine Interpretation mit großer Tiefenschärfe, die ihren Impetus bezog aus eben diesen opernhaften, ganz der Sprache verpflichteten Concerti, deren rhetorische Elemente Lutz mit einem herausragenden Solisten-Ensemble verdeutlichte.
Großen Anteil an der Geschlossenheit dieser Aufführung hatten die begleitenden „Parnassi Musici“ und die Bläser des Johann Rosenmüller Ensembles, mit sensiblen Einzelfarben und klanglich gelungener Balance in den Tutti-Partien. (...) Rhythmische Prägnanz und Intonationssicherheit waren vom höchsten Niveau.
Das gilt auch für die Schiersteiner Kantorei, die mit Intensität das Gegenüber der zahlreichen Psalmen gestaltete, dynamisch und sprachlich vollendet die von Lutz angestrebte Übernahme der rhetorischen Deutlichkeit verwirklichte. Mithin ein großer Erfolg auch für diesen Chor, mit fabelhaften Klangwirkungen in den Wechseln mit den Solisten. Ein packender, von Martin Lutz selbst in den kompliziertesten metrischen Veränderungen mit schlafwandlerischer Sicherheit geführter Abend.
WIESBADENER KURIER, 29.11.2004

Giuseppe Verdi: Requiem
Der Ruhm des Verdi-"Requiems" geht zu einem guten Teil auf seine im besten Sinn theatralische Gestaltung gerade im "Dies irae" zurück... Natürlich wurde das "Dies irae" auch in dieser Aufführung unter der Leitung von Martin Lutz zum dramatischen "Highlight", zumal exquisite solistische Beiträge den Rang der Aufführung bestätigten: Der Bass Friedemann Röhlig gab dem "Mors stupebit" eine beängstigende Farbe mit, ließ zwischen profunder Schwärze und dramatischer Kontur keine Wünsche offen. Auch die souveräne Mezzosopranistin Leandra Overmann ließ es weder an Volumen im "Liber scriptus proferetur" noch an Eindringlichkeit etwa im "Recordare" fehlen.
Eine dynamisch sensible Gestaltung machen Martin Lutz und die vorzüglich einstudierte Kantorei bereits am Anfang vor: Ganz verhalten, hochkonzentriert die fallende Pianissimo-Linie der Celli bis zum fast tonlosen "Requiem"-Einsatz. Die Kantorei erreicht im kollektiven Piano immer wieder einen berückenden Samtklang und artikuliert mit größter Deutlichkeit - es geht eben nicht nur um den theatralischen Effekt einer vermeintlichen "Oper im Kirchengewande" ... sondern auch um verinnerlichte Gestaltung, in der man die große Oratorien-Erfahrung der Kantorei spürt. ...das "Libera me" zieht eindrucksvoll die Summe des sakraltheatralischen Geschehens: Starker Applaus.
WIESBADENER KURIER, 12.10.2004

 

Sinfoniekonzert (Beethoven: Violinkonzert, 7. Sinfonie)
Ausgesprochen knackige Paukenschläge eröffnen in der Basilika von Kloster Eberbach das Violinkonzert Ludwig van Beethovens. Schon dieser Einleitungstakt vor dem Einsatz der Holzbläser stellt klar, dass hier ein Ensemble am Werk ist, das keinen spätromantischen Breitwand-Klang anstrebt. „Historisch informierte" Spielweise nennt Martin Lutz seine Weise der Annäherung an Musik des 18. und 19. Jahrhunderts, der er sich mit den Instrumentalisten des Bach-Ensembles Wiesbaden seit fast drei Jahrzehnten verschrieben hat, in der Basilika immer wieder ein breites Spektrum von Mozart bis Bruckner abdeckend.
Dass er dabei neben der Arbeit mit der Schiersteiner Kantorei auch ein „sinfonisches" Publikum an sich gebunden hat, zeigte nun erneut der Zustrom zum Kloster-Konzert und der herzliche Applaus für das Orchester und den Geiger Ingo de Haas, seit 1998 Konzertmeister des Bach-Ensembles. Als Solist im Beethoven-Violinkonzert beeindruckte Ingo de Haas, hauptberuflich am ersten Pult des Frankfurter Opernorchesters, mit souveräner Technik und einem Ton, dessen Wärme gegen das Basilika-Frösteln half.
... Gesamteindruck einer von starkem Ausdruckswillen geprägten Interpretation, zu deren reizvoller historischer Substanz die Begegnung mit Beethovens im Konzert sonst kaum zu hörenden Originalkadenzen gehörte. Im ersten Satz des Violinkonzerts wird aus dieser Kadenz fast ein kleines Konzert im Konzert, ein virtuoses Duo zwischen Solovioline und Pauke.
In Beethovens 7. Sinfonie war der Reiz „historische informierter“ Spielweise noch deutlicher wahrnehmbar als im Violinkonzert – der Gesamtklang hatte eine größere Tiefenschärfe, der Charme des „naturbelassenen“ Klangs von Hörnern und Trompeten konnte sich stärker durchsetzen. Im Kontrast zwischen erfühltem Trauermarsch und der gar nicht ausgelassenen, sondern verbissenen Tanzwut des Schlußsatzes entfalteten Martin Lutz und das Bach-Ensemble eine Ausdruckswelt, für die sich das Publikum mit lang anhaltendem Beifall bedankte.
WIESBADENER KURIER, 22.6.2004

 

Mendelssohn: Elias
Schon die Tempowahl des Chors "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir" offenbarte Lutz´ Intentionen: Darunter vor allem eine entschlackte Darstellung, sehr zum Vorteil des Gesamten, wie nicht zuletzt das bewegend schlichte Engelsterzett "Hebe deine Augen auf" bewies. Es war das Zusammenwirken von Handlung und Meditation, das Wechselspiel von Aktion und Kontemplation, das dieser Aufführung ihr unverwechselbares Gepräge gab. Nicht nur, dass die Chöre und Arien durch ihre attacca-Einbindung ins Geschehen jeglichen Anstrich des religiös mahnenden Zeigefingers verloren, umgangen wurde auch der bei Mendelssohn so gefährliche Schritt hin zu melodiöser Süße. Und hier ist die geschmackvolle Gestaltung eines Solisten-Ensembles zu nennen, das Lutz' Vorgaben auf absolutem Niveau verwirklichte.

Mehr als bemerkenswert das Bach-Ensemble Wiesbaden, dynamisch und klanglich vollendet. In Hochform zeigte sich wieder einmal die Schiersteiner Kantorei, die dem von Martin Lutz angestrebten Gesamtbild einer packenden, lebendigen und austarierten Interpretation voll und ganz gerecht wurde.

WIESBADENER KURIER, 29.3.2004

 

Vibrierende Spannung, impulsive und leidenschaftlich gestaltete musikalische Szenerie - unter dem Dirigat von Martin Lutz erlebte Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Elias" in der Marktkirche eine begeistert gefeierte und schlüssige Interpretation. Lutz gestaltete in fesselndem dramaturgischem Aufriss, der sich zu monumentaler Größe in den Chören steigerte, selbst die idyllischen Passagen durchpulste und das alttestamentarische Ringen eines Menschen um Gottnähe hinreißend verlebendigte.

Dabei folgte ihm seine Schiersteiner Kantorei in wunderschön ausgewogenem und abschattiertem Klang. Die Sänger zeigten sich präsent in den homophonen und transparent strukturierten polyphonen Sätzen mit ausgezeichneter Textverständlichkeit und packend in den turbaähnlichen Einwürfen. Eine Leistung, die den Rang der Kantorei nachdrücklich untermauerte. Die Choristen hatten im Wiesbadener Bach-Ensemble den kongenialen, flexibel gestaltenden Partner, mit samtenem, fülligem Streicherklang, nobel aufspielenden Bläsern. Festlich und prächtig die vom Blech sekundierten Chöre.

WIESBADENER TAGBLATT, 29.3.2004

 

Bach: Messe h-Moll
...hat die Schiersteiner Kantorei einmal mehr den Ruf eines der besten Chöre der Region nachdrücklich untermauert. Erstaunlich die Sicherheit der Intonation und die lupenreinen Fiorituren... bestechendes Klangbild... Begeisterter Beifall für diese packende Interpretation.
WIESBADENER TAGBLATT, 1.12.2003

Es ist nicht das massive Eingangsportal, als das es sich denken ließe. Bachs „Kyrie eleison“, die weit ausgreifende Choreröffnung, kommt eher als sanfter, weicher Fluss daher, ohne scharfe Kanten, dafür musikalisch atmend wie alles aus den Händen von Martin Lutz. Lutz ist seit mehr als 30 Jahren Chef der Schiersteiner Kantorei, dem bei weitem besten Chor Wiesbadens.

Lutz verweigert das Plakative, Größe wird nicht gesetzt, nicht ausgestellt, Größe wird erarbeitet. Verdichtung und Entspannung, ein sehr genaues, dynamisch abgehörtes, fließendes An- und Abschwellen, eine geradezu gelassene, souveräne Suche nach Zwischentönen sind die musikalischen Mittel, mit denen Lutz und seine Schiersteiner Kantorei gerade die breiten Chorpassagen vitalisieren. Da passt es gut, dass die Trompeten mit ihrer goldenen Herrlichkeit nicht um sich schmeißen und Sätze wie das „Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam“ eher leise veredeln.

Ohnehin ist die Schiersteiner Kantorei das Epizentrum der Aufführung, die in der heiklen Akustik der Marktkirche dem Orchester auch schon mal den Raum nimmt, sich zu entfalten. Farbe kann das Bach-Ensemble Wiesbaden vor allem in den solistischen Passagen beisteuern, am schönsten in den zugleich satten wie sparsamen harmonischen Tiefen des Agnus Dei. Kein Lamm Gottes könnte sich dem widersetzen.

Frankfurter Rundschau, 1.12.2003

 

Siehe auch ältere Pressestimmen (bis 2003)